Hurra

der erste Tag vom Feriensportprogramm  – und ich bin dabei. 

Oh, das ist vielleicht doch etwas egoistisch formuliert und gedacht – und trifft auch nicht die ganzen Tatsachen.

Die Aikido-Abteilung im VfL Sindelfingen wurde schon vor den Sommerferien angefragt, ob wir nicht ein Training im Rahmen Feriensportprogramms anbieten wollen. Der Aikido-Abteilungsleiter Andreas Bartel, (2. Dan Aikido) sicherte sich zuerst die Unterstützung von mehreren Trainern – Dominik Miller (1. Dan), Peter (1. Kyu), Leon Jusztusz (2. Kyu) und Klaus Hartl (3.Kyu) – zu, bevor er verbindlich zusagte.

Von Andreas  erfuhren die Aikidoka eine geschätzte Teilnehmerzahl und auch die Altersspanne der teilnehmenden Kinder. Mit diesen Infos bereitete sich das Aikidotrainerteam vor. Erschwerend kam hinzu, dass in der Halle keine Aikidomatten vorhanden sind, so dass auf Gymnastikmatten improvisiert werden musste. Was aber dem Spaß am Training keinen Abbruch tat. Aber stopp, ich greife schon wieder vor.

Da unser Abteilungsleiter meinte, die Pressearbeit hätte mich dieses Quartal nicht wirklich ausgelastet, fände er es gut, wenn ich auch noch ein bissl in die Halle komme. Ok, man oder in dem Fall Frau macht ja gern früher Feierabend (die Arbeitet wartet erfahrungsgemäß morgen immer noch auf dem Schreibtisch) und radelt ins Hinterweil. Dort eingetroffen stehe ich alle Aikidoka und ca. 40 Kinder Eisessend auf dem Pausenhof stehen. Der Spender war noch am Verteilen der kühlen Leckerei – und war auch bereit sich mit den Aikidoka fotografieren zu lassen. Vielen Dank an OB Markus Kleemann.

Dann ging es in die Halle – wie ich erfahren habe, wurde die Gruppe zuvor in „kleine“ und „große“ altersmäßig geteilt. Ich war bei den lebensälteren. 

Zuerst zeigten Dominik und Peter Messerangriffe und vor allem natürlich deren Verteidigung. Auch hier konnte gleich den Teilnehmern gegenüber betont werden, dass es nicht um die Vernichtung des Angreifers geht. Dann wechselten Dominik und Peter zum Holzschwert und Stab – und auch hier zeigte Dominik sehr humorvoll dass Verteidigung auch mal nur  „Schaffung von Distanz“ sein kann. (was er laut schreiend weglaufend demonstrierte)

Da während der Vorführung sehr viel gefallen, gerollt und Bodenkontakt eingetreten ist, durften die Kinder  sich beim rückwärtigen fallen üben. 

Danach zeigte Andreas Bartel den Shihonage – einen Wurf der üblicherweise in einer rückwärtigen Rolle endet – zum praktischen Üben.

Begeistert übten und experimentierten die Teilnehmer, fragten nach weiteren Tricks und Techniken und fanden es schade, dass die Trainingszeit so rasch beendet war. 

Für die Kinder geht es morgen  mit anderen Angeboten der verschiedenen Abteilungen weiter, mich erwartet die Arbeit auf dem Schreibtisch – super war es auf alle Fälle.

Und die Matte war voll!

Es war ein unglaublich schönes Gefühl, wieder in der Halle zu stehen.

Nicht zum ersten Mal – schließlich bin ich schon viele Jahre im Aikido aktiv. Doch diesmal war die Konstellation eine ganz andere. Jahrelang war ich Jugendleiter und Kindertrainer. Gemeinsam mit einem super Team von Beitrainern haben wir es geschafft, im Aikido-Club des VfL Sindelfingen eine in Baden- Württemberg einzigartige Kindergruppe für Teilnehmende ab fünf Jahren aufzubauen und über 20 Jahre lang erfolgreich zu erhalten.

Die Initiatoren des Schnupperkurses: Heike Rüter, Christina und Andreas Bartel
Die Initiatoren: Heike Rüter, Andreas und Christina Bartel

Doch diesmal lautete die Einladung auf dem Plakat: „Mindestalter: 55 Jahre“. Natürlich überprüfen wir das nicht strikt, ebenso wenig, ob jemand tatsächlich den aktiven Teil seines Berufslebens hinter sich gelassen hat. Aber die Zielgruppe war somit von uns, Chriatina Bartel (Aikido), und Heike Rüter („Frohes Alter Sindelfingen e.V. – Gemeinschaft für aktive Menschen.) definiert.

Heike Rüter übernahm direkt das Administrative: Plakate gestalten, Werbung machen, die Presse informieren und Termine koordinieren. Wir, Trainer Andreas Bartel, 2. Dan Aikido und ich, wiederum konzentrierten uns darauf, den Kursinhalt zu gestalten: Wie viel Zeit braucht das Aufwärmen? Welche Balanceübungen und Elemente der Sturzprophylaxe sind sinnvoll? Welche Aikido-Techniken eignen sich für ältere Anfänger? Wie vermitteln wir theoretisches Hintergrundwissen, ohne die Teilnehmer zu überfordern?

Auch praktische Fragen wurden bedacht: Wie nehmen wir Ängste und zerstreuen Bedenken? Wie wecken wir Freude an einem Sport, der längst nicht so bekannt ist wie Fußball, Tennis oder Gymnastik?

Finanzielle Hürden sollten ebenfalls vermieden werden. Deshalb entschieden wir uns für einen möglichst einfachen Einstieg: Keine spezielle Ausrüstung, keine teuren Anschaffungen – bequeme Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen reicht völlig aus. Und die Kursgebühr von 15 Euro für alle sieben Einheiten sollte die Hemmschwelle so niedrig wie möglich halten.

Wir bekamen auf die Ankündigung in Presse und auf Flyern schon vor dem ersten Termin einige Kontakte mit Interessierten, rechneten aber damit, dass nicht alle, die uns geschrieben oder angerufen hatten, auch tatsächlich kommen würden. Deshalb hielten wir uns bei der Vorbereitung der Mattenfläche zurück – etwa 100 m² erschienen ausreichend, ohne zu abschreckend zu wirken. Doch damit hatten wir uns gründlich verschätzt: Fast 30 Teilnehmer erschienen! Die ursprünglich vorbereitete Fläche war damit fast schon zu klein – es erinnerte an das „Telefonzellen-Aikido“, ein Begriff, den Meister Martin Glutsch einst bei einem Lehrgang prägte.

Die Geplante Mattenfläche, deutlich zu wenig.
Die Mattenfläche war zu klein…..

Zum Glück verfügt der Aikido-Club nicht nur über zusätzliche Matten, sondern auch über weitere engagierte Beitrainer. Während des ersten Trainings konzentrierte sich Andreas auf die grundlegenden Bewegungsabläufe im Aikido: Sabaki, Irimi-Ashi und Tenkan-Ashi – ideale Übungen, um das Gleichgewicht der Teilnehmer zu stärken.

Obwohl der Schwerpunkt des Kurses auf Fallschule und Sturzprophylaxe liegt, standen keine Wurftechniken auf dem Programm. Stattdessen übten wir die Hebeltechnik Ude-Osae, mit der ein Angreifer am Boden fixiert werden kann.

Die erste Stunde verging wie im Flug. Hätten nicht die Jugendlichen bereits vor der Halle gewartet, um mit ihrem eigenen Training zu beginnen, hätten wir wohl noch länger geübt. Doch das nächste Training mit der Gruppe 55 Plus steht schon bevor – und wir freuen uns darauf!